Wirtschaftskrise – Woher-Warum-Wohin?


Gloria Buttinger

Die uns derzeit beschäftigende Wirtschaftskrise kam nicht so überraschend, wie es vielen erschien. Sie hatte seit den 80er Jahren schon viele Vorgänger. Neu ist allerdings, dass sie sich nicht auf einen Staat oder eine Region beschränkt, sondern die gesamte Weltwirtschaft betrifft.

Die Voraussetzungen für die Wiederholung einer weltweiten Wirtschaftskrise schufen die Änderungen vor allem im Bereich des Finanzwirtschaftssystems seit den 70er Jahren. Das feste Wechselkurssystem nach Bretton Woods wurde abgeschafft und damit hohe Gewinne und Risiken mit Währungsspekulationen ermöglicht. Gleichzeitig wurde durch die Aufgabe der Kapitalverkehrskontrolle den Staaten die Möglichkeit entzogen, auf die Zu- und Abflüsse von Kapital Einfluss zu nehmen. Gleichzeitig erhöhte sich das Kapital, das institutionellen Anlegern wie Banken, Versicherungen, Pensionsfonds, Hedge-Fonds, Private Equity Fonds u.ä. zum Investieren zur Verfügung stand von 1980 bis 2005 um nahezu das 20-Fache. Ziel dieser Fonds wurde es immer mehr, möglichst hohe Renditen zu erwirtschaften, die wesentlich über den von der Realwirtschaft zu erwirtschaftenden ca. fünf Prozent lagen. Sie investierten daher nicht mehr in Aktien um eine Dividende zu erhalten, sondern zielten auf kurzfristige Wertsteigerungen von Aktien und spekulative Finanzgeschäfte ab. Spekulative Finanzgeschäfte entwickelten sich zum Hauptumsatz an den Börsen und koppelten sich immer mehr von der Realwirtschaft ab.

Die Krise des US-amerikanischen Immobilienmarktes 2007 blieb deshalb nicht auf die USA beschränkt, weil die US-Banken ihre risikoreichen Kredite durch Verkauf an Investmentagenturen und ihre Umgestaltung in hochkomplexe Anleihe- und Fondsprodukte auf Anleger in der ganzen Welt verteilt hatten. Viele Banken hatten plötzlich hohe Abschreibungen für nahezu wertlose Papiere und Kredite vorzunehmen, was auch die eigentlichen Bankaktien an den Börsen abstürzen ließ. Da nicht genau abzusehen war, wer welches Risiko hatte, wie kreditwürdig einzelne Bankunternehmen noch waren usw., kam es nahezu zum Erliegen des Zwischenbankverkehrs und damit auch zu einer Krise für die Realwirtschaft, die auf Kredite von den Banken zur Finanzierung des laufenden Geschäfts angewiesen sind. Die Krise bei den Banken führte zu einer Abwärtsspirale auf den Aktienmärkten, die sich auch auf andere Branchen ausweitete.

Die Krise auf den Aktienmärkten und Kapitalmärkten hatte schlussendlich eine starke Auswirkung auf die Realwirtschaft, da Firmen große Schwierigkeiten hatten Finanzmittel zu bekommen, und damit die Investitionen zurückgingen bzw. auch Aufträge nicht abgewickelt werden konnten. Da unser gesamtes Wirtschaftssystem auf Wachstum und in den letzten Jahren immer mehr auf STARKES Wachstum ausgelegt ist, wurden bei einem rückläufigen Wachstum natürlich sofort auch alle Produktionskapazitäten zurückgefahren. Auch hier setze sich eine Abwärtsspirale in Gang.

Von den einzelnen Staaten, allen voran den USA, wurden riesige Summen an Kapital und Kapitalgarantien aufgebracht, um einen völligen Kollaps des Finanzsystems zu verhindern. Die steigenden Arbeitslosenzahlen und Sozialausgaben sowie der Rückgang der Staatseinnahmen durch sinkende Lohnnebenkosten und Steuereinnahmen erhöhen die Staatsdefizite zusätzlich.

Zukunftsszenarien sind verschiedene möglich. Was sicher kommt, ist, dass die meisten Staaten nach dieser Krise mit hohen Defiziten zu kämpfen haben werden, die finanziert werden müssen. Auf welche Weise man diese Beträge in Zukunft finanzieren wird, wird bald zur Diskussion stehen.

Am unwahrscheinlichsten erscheint mir derzeit ein Zukunftsszenario, in dem es gelingt ein gerechtes Wirtschaftssystem aufzubauen, in dem die Schere zwischen den Entwicklungsländern und den Industrienationen sowie auch zwischen den Reichen und Armen in den einzelnen Staaten nicht weiter auseinander geht, sondern kleiner wird. Die am G20-Gipfel im März beschlossenen Maßnahmen zur Überwachung der Finanzmärkte reichen dazu sicher nicht aus, und es gibt wesentliche Kräfte, die an mehr nicht interessiert sind.

Auch wenn das Finanzsystem etwas stärker reguliert wird, aber es zu keiner grundsätzlichen Umorientierung im wirtschaftlichen Denken kommt, werden die Folgen auf lange Sicht dieselben sein wie mit geringerer Regulierung, nur vielleicht nicht so stark und so schnell kommen. Diese Krise wird zwar vielleicht überwunden werden, aber die nächsten werden folgen. Irgendwann werden dann auch einzelne Staaten am Ende ihres Finanzrahmens angekommen sein und nicht einmal ihre Kernkompetenzen an staatlicher Ordnung mehr wahrnehmen können.

Man könnte eine Vielzahl an düsteren Prognosen treffen, aber dies soll nicht unser Ziel sein, obwohl wir für die Zeichen unsere Zeit nicht blind sein sollen. Als Christen brauchen wir uns nicht zu fürchten. Aber unsere eindeutige Aufgabe ist es, für unser Land und unsere Regierungen zu beten sowie an dem Platz an dem wir stehen, Gottes Reich zu bauen und seine Gerechtigkeit sichtbar zu machen.

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