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Christlich geht anders | Weg der Versöhnung

Wieselburg, am 11. August 2017

Liebe Geschwister,

in den letzten Monaten hat sich auf einer breiten Basis von christlichen Kirchen, Einzelpersönlichkeiten und Organisationen in Österreich eine Initiative „Christlich geht anders“ gebildet. Sie will darauf aufmerksam machen, dass

  • in den letzten Jahren steigender Reichtum eines kleinen Teiles der Bevölkerung auf der einen Seite und zunehmende Angst um Arbeitsplätze, Alters- und Krankenversorgung auf der anderen Seite wachsende Unsicherheit erzeugt hat,
  • zunehmend von rechtsextremen Personen und Parteien Gruppen wie „ die Flüchtlinge“ oder „die Muslime“ zu Sündenböcken erklärt werden, letztlich damit
  • Solidarität und Demokratie zunehmend ausgehöhlt und in Frage gestellt wird. Dagegen will die Initiative „Christlich geht anders“ aufzeigen, dass
  • christlicher Glaube Mut und Hoffnung macht,
  • es klar in Mtt 25,40 heißt: Was ihr für einen meinen geringsten Brüder getan habt, das habt ihr für mich getan,
  • die Einheit von Gottes- und Nächstenliebe gelebt wird durch den Einsatz für Mitmenschen und Gerechtigkeit in der Gesellschaft,
  • Frieden in einem Staat und zwischen Staaten nur durch ein fortlaufendes Bemühen um soziale Gerechtigkeit und Solidarität gesichert werden kann.

Ein sehr guter ausführlicher Text zu den Grundsätzen der Initiative „Christlich geht anders“ - verfasst von Magdalena M. Holztrattner - wird demnächst im ALLIANZSPIEGEL veröffentlicht und hier als Beilage mitgesandt.
Die Initiative fordert alle Christen und Christinnen, die sich mit den Zielen der Initiative identifizieren auf, sich an einer Unterschriften-Aktion zu beteiligen und damit diese Initiative politisch zu unterstützen.

Bitte das Grundsatzstatement von „Christlich geht anders - Solidarische Antworten auf die soziale Frage“ unterschreiben bei: http://www.christlichgehtanders.at/unterschreiben/

Weiters können bei der Koordinierungsstelle der Initiative M: +43-650-400 57 51; T: +43-1-310 51 59 – 97 oder gabriele.kienesberger@ksoe.at die in den Beilagen 2 und 3 gezeigten Folder A6 und Karton-Flyer-Türanhänger als Werbemittel für die Initiative unter Angabe des Bestellers/der Bestellerin, der Adresse und der Rechnungsadresse bezogen werden.


BITTE macht Werbung für diese Initiative – wir Christen dürfen gerade in diesen Zeiten des Umbruches in unserer Gesellschaft keine stummen Zuschauer und damit stille Ja-Sager zu allem dem sein, was sich um uns abspielt. Es ist unser Auftrag, mit der Botschaft Jesu Mut und Hoffnung zu verbreiten!

Mit herzlichen Grüßen und Segenswünschen
Euer Hans-Peter Lang (Forum Gesellschaftsverantwortung


Christlich geht anders


Solidarische Antworten auf die soziale Frage


Neoliberale Politik der letzten Jahrzehnte hat bei vielen Menschen Zukunftsangst provoziert. Einerseits steigender Reichtum, andererseits zunehmende prekäre Beschäftigungsverhältnisse, bedrohte staatliche Absicherung bei Armut und Krankheit, sowie Abstiegsängste erzeugen wachsende Unsicherheit in der Bevölkerung. Hoffnungslosigkeit und Wut steigen bei immer mehr Menschen, die sich um ihre Chancen und die ihrer Kinder gebracht fühlen. In Europa sind politische Parteien und Bewegungen des rechten bzw. rechtsextremen Spektrums im Vormarsch, welche diese Gefühle gezielt ansprechen und verstärken. „Die“ Flüchtlinge oder „die“ Muslime werden zu „Sündenböcken“ erklärt und dadurch zur Zielscheibe diffuser Ängste und Wut. Solidarität und Demokratie werden zunehmend abgewertet, ausgehöhlt und durch scheinbar einfache Lösungen ersetzt.

Für sozialen Zusammenhalt ...
In unserer Gesellschaft und in unseren christlichen Gemeinschaften muss der soziale Grundwasserspiegel wieder steigen. Die ökumenische Initiative „Christlich geht anders. Solidarische Antworten auf die soziale Frage“ hat zum Ziel, das Bewusstsein für den sozialen Zusammenhalt in der Gesellschaft und für organisierte Solidarität in Form eines gut ausgebauten Sozialstaates zu stärken. Auf dem Spiel steht der menschenrechtliche Grundkonsens, der gleichzeitig ein Kristallisationspunkt der christlichen Botschaft ist: Alle Menschen haben die gleiche Würde! Die Glaubwürdigkeit von ChristInnen wird daran gemessen, wie sie sich zu Armgemachten und Fremden stellen (vgl. Mt. 25,40). Die alte jüdisch-christliche Frage nach Gerechtigkeit und Frieden ist heute eine Frage von Zugang zu und Verteilung von Gütern und Chancen.

… und für den Sozialstaat
„Christlich geht anders. Solidarische Antworten auf die soziale Frage“ zielt auf eine soziale Erneuerung ab. Es geht uns allen besser, wenn wir uns am Gemeinwohl und am Anderen orientieren und solidarische Lösungen anstreben: eine gerechte Verteilung von Einkommen, gerechte Steuern, eine Gesellschaft, in der Pluralität geschätzt wird und ein Sozialstaat, der weiterhin dazu beiträgt, Armut zu vermeiden. So das Sozialwort des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich: „Die Kirchen treten ein für eine den heutigen Herausforderungen entsprechende Weiterentwicklung des Sozialstaates und deshalb für eine breite Diskussion aller gesellschaftlichen Kräfte darüber, wie eine grundlegende sozialpolitische Absicherung für alle eingerichtet werde kann“ (Nr. 225/2003)
Gefordert ist eine Rückbesinnung von politischen AkteurInnen, die uns WählerInnen oftmals mit Ausweichmanövern beschäftigen. Denn: Wussten Sie, dass in Österreich gleich viele Millionäre leben wie AsylwerberInnen? Wussten Sie auch, dass die Ausgaben für die Mindestsicherung nur ca. 0,8% aller Sozialstaatsausgaben in Österreich ausmachen? Das Bild, das in der Öffentlichkeit gezeichnet wird, spricht eher die Botschaft: „Wir kümmern uns um Eure Probleme – geht es Euch nicht gut, dann sorgen wir dafür, dass es auch Anderen nicht gut geht“. Ablenkungs- und Täuschungsmanöver seitens politischer AkteurInnen bestimmen die Auseinandersetzungen: zentrale humanitäre und christliche Werte werden zunehmend ausgehöhlt.

In die Politik einmischen
Heute braucht es mehr denn je ChristInnen, die sich in ihren Handlungsbereichen dafür einsetzen, dass Nächstenliebe in einem starken Sozialstaat strukturell verankert bleibt; dass wir als ChristInnen die Sehnsucht nach dem guten Leben für alle auch in die Politik hineintragen.
Die ökumenische Initiative „Christlich geht anders. Solidarische Antworten auf die soziale Frage“, die aus den christlichen Kirchen kommt, aber darüber hinausgehen soll, hat die soziale Erneuerung der Herzen, des Denkens, des Redens und des Tuns in Zivilgesellschaft, Wirtschaft und Politik zum Ziel.

Es braucht mutige Menschen
Dafür braucht es engagierte BürgerInnen – gerade auch ChristInnen – die auf solidarische Lösungen, einen aktiven Sozialstaat, gerechte Steuerpolitik und damit auf menschenwürdige Lösungen für die soziale Frage von heute pochen. Es braucht mutige Menschen, die aufklären und auf rote Linien im politischen Gespräch und in den politischen Entscheidungen aufmerksam machen – wenn es darum geht, die Würde von Menschen zu schützen.
Auch wenn nicht alle Lösungen schon zur Hand sind: Es braucht den Dialog und den Willen, gemeinsam danach zu streben, dass ein gutes Leben für alle Realität wird.

Magdalena M. Holztrattner
Direktorin der Katholischen Sozialakademie Österreichs (ksoe). Theologin, Organisationsberaterin, Erwachsenenbildnerin, Armutsforscherin